Mallorca
Tijuana

Das Gebiet Tijuana liegt bei Santanyi an der Süd-Ost Küste und man klettert direkt am Meer. Zwar gibt es dort keinen Strand zum ins Wasser gehen aber dafür haufenweise speckige Routen und rostige Haken. Naja ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht aber ich war wahrscheinlich vom rauen, hornhautfressenden Kalk der letzten Gebiete verwöhnt. Viele Routen hatten dafür aber lustige Einstiege. Xiscu que reiliscu (6b) zum Beispiel fängt mit einem Sprung (je nach Größe) zu einem Henkel im Dach an. Direkt daneben gibt mit Pupé de Roqué noch ein schönes 6c Dach welches mir doch glatt mal onsight gelang. Es gibt aber auch sehr nette Verschneidungen wie Colesterol Party (6a).
Manche Spanier brachten sogar ein Crashpad mit. Ich dachte erst zum Bouldern an den Blöcken, die dazu echt einluden, aber eigentlich sah ich sie nur darauf rumliegen und relaxen... Siesta wahrscheinlich.

Xiscu que reiliscu Ich Anja
Pupé de Roqué Bouldern Anja in Colesterol Party
Tine Manu Pupé de Roqué


Les Perxes

Unser erster Tag führte uns nach Les Perxes und zwar aufgrund der Nähe zur Stadt Inca in der wir bei Steffen Unterschlupf für die nächsten 9 Tage fanden.
Les Perxes teilt sich in 3 mehr oder weniger weit von einander entfernte Sektoren auf. Die Hairpin Wall, Muro de Caimari und Sector Cueva.
Die Hairpin Wall war unser erstes Ziel und neben einer langen und schönen 6a gelang mir auch mit „The Hard One“ eine klasse 7a .  The Blob (6c) konnte ich noch onsight klettern. Auch empfehlenswert.

Das Pendant zur
Klagemauer in Franken
The Hard One (7a ) Sektor Cueva

Ein paar Tage später besuchten wir noch den Sektor Muro de Caimari aber nur kurz da es wieder nach Unwetter aussah und wir noch nicht von Unwetter des Tages zuvor erholt waren (Sa Gubia)

Sector Cueva besuchten wir noch am letzten Tag bevor es von dort direkt zum Flughafen ging. Der absolute Wahnsinn. Ich versuchte mich an Colgao einer Top 50 7b aber irgendwie steckte mir der Abend vom Vortag noch in den Knochen...
Wer auf Dächern und riiiieeesen Überhänge steht, wird sich hier sehr wohlfühlen.
Hoodoo gurus (7b+) - überhängend, weite Züge zu guten Griffen und recht kurz -  steht auf jeden Fall auf meiner Todo-Liste für den nächsten Besuch.


Cala Magraner

In Cala Magraner klettert man hauptsächlich direkt an einer sehr schönen Bucht.
Die Einstiege einiger Routen befinden sich sogar über dem Wasser, was bedeutet dass man erst einmal ein paar Meter traversieren muss bevor es losgeht.
Die meisten Routen können aber bequem vom Boden aus erreicht werden.
Es empfiehlt sich ein paar Decken oder Isomatten mitzunehmen, weil es wirklich ein sehr gemütliches Fleckchen ist und man dort wunderbar die Sonne und das Meer genießen kann. Aber eigentlich sollte man lieber Klettern!
Und zum klettern gibt's dort ziemlich viel und in allen Schwierigkeitsgraden (bis 8a).

Aussicht Jeanett Viel Betrieb an der Wand


Der Zustieg nimmt ca. 30 - 45 Minuten Zeit in Anspruch und man kommt als erstes an einer Höhle mit Dach und kräftigen Überhangrouten ab 7a aufwärts vorbei (Sektor Cueva).
200 Meter weiter erreicht man die Bucht und das lang gezogene Hauptmassiv an dem auch die meisten der Routen sind.
Besonders lohnenswert fand ich Asulla (6b+) die nach netter Wandkletterei noch einen kräftigen Abschlussüberhang bot. Die meisten Routen (ausgenommen Sektor Cueva) sind eher im Bereich bis 6c angesiedelt.

Ich in Cave Left Anja und Manuel Tine in Cave Right


Puig de Garrafa

Kleines Gebiet im Süd-Westen der Insel. Sektor Solarium ist wie der Name schon sagt sehr sonnig. In Puig de Garrafa gibt es noch viel Potenzial für neue Routen da noch nicht alles erschlossen ist.


Steffen Manu und ich "Stairway to Heaven"


La Creveta

Im hohen Norden der Insel liegt mit La Creveta ein schönes Klettergebiet mit einer Menge gemäßigter Routen die meist plattigen Charakter aufweisen. Da man sowieso beim Parkplatz am Aussichtspunkt parken muss, sollte man auch den Aussichtspunkt besuchen. Beim Blick nach unten kann man deutlich einige Bohrhaken erkennen welche anscheinend zu einer Route auf den ca 100 Meter hohen Pfeiler gehören. Leider war im Führer dazu nichts zu lesen. Falls jemand Infos dazu hat: bitte mir schicken!!!


Sa Gubia

Sa Gubia ist das älteste und meiner Meinung nach auch das schönste Klettergebiet auf Mallorca. Hier gibt es auch die längsten Touren auf Mallorca. Jedoch aber auch viele knackige Einseillängen. Mehrseillängen sollten es für uns aber schon sein, die Albahida – eine leichte aber selbst abzusichernde Route im benachbarten Pfeiler – war uns jedoch klettertechnisch zu leicht. Also fiel die Wahl auf „Princesa Original“, zumal sie im Führer auch unter die Top 50 Routen der Insel fiel und sich die folgende einleitende Beschreibung auch ziemlich gut las:
“This inspiring, fully-bolted route tackles the full length of the back wall of the bay.” (Quelle: http://www.ukclimbing.com)
Die Schwierigkeit von 6c (7+ UIAA) sollte auch machbar sein, zumal sie sich durch Treten auf einen Bohrhaken in der Schlüsselstelle sogar auf irgendwas um 6b verringern ließe (war aber nicht nötig :) ).
Bericht über die Tour:
Anja stieg also die erste Seillänge vor. Eine schöne, 30 Meter lange 6a über eine Einstiegsplatte und anschließende Wandkletterei. Die 6c Schlüsselseillänge, mit ein oder zwei harten Züge und ansonsten sehr homogener Kletterei auf 20 Metern, stieg ich dann vor.
Die nächste Seillänge (5, 35m) führte wieder Anja bis zum angenehmsten aller Standplätze der Route. Die anderen Standplätze waren alles Hängestände, was teilweise schon auf die Füße ging. Aber hier konnte man auf einem großen Absatz bequem stehen.
Die nächste 6a stieg ich wieder vor. Die Seillänge bot dann mit kräftigen Zügen über einen Wulst und einer kleinen Traverse kurz vor dem Stand abwechslungsreiche Kletterei auf 33 Metern.
Der Routenverlauf


Anja steigt die 4 SL nach
Gleich am Anfang der letzten Seillänge hatte wir dann mehr oder weniger einen kleinen Verhauer: Anja stieg die logische Linie direkt vom Stand senkrecht hoch. Jedoch entpuppte sich der dort wartende Überhang als für 5 nicht machbar. Wir bauten dann um und ich stieg die Seillänge vor. Da ich um einiges größer als Anja bin fiel mir der Zug halt leichter. Dass man vom Stand erst noch 8 Meter nach rechts traversieren muss, haben wir wohl irgendwie verdrängt :) .
Nichtsdestotrotz war die Direktvariante ja schließlich auch eingebohrt und irgendwie auch logischer ... nur halt auch ein bisschen schwerer. Mit 40 Metern war die letzte Seillänge auch die Längste. Nach dem Überhang gab’s noch schöne und nach oben immer leichter werdende Kletterei bis zum Gipfel.
Oben angekommen konnten wir die herrliche Sicht über die Insel genießen und auf das herannahende Unwetter...


...Mum and Dad ab hier bitte nicht mehr weiterlesen :)
Von Richtung Süden sahen wir ziemlich dunkle Wolken auf uns zu ziehen und machten uns also schnellst möglich ans Abseilen. Vier mal abseilen und wir stehen wieder am Wandfuß. Was uns zu dem Zeitpunkt am meisten Sorgen bereitete waren die letzten 10 Klettermeter zum Stand. Hier hab es eine Menge von Rissen, Schlitzen, Löchern und Büschen an denen sich der Verbindungsknoten unserer beiden Halbseile beim Abziehen verklemmen konnte. Als wir beide die erste Seillänge abgeseilt hatten machte ich mich behutsam daran, das Seil abzuziehen. Nach einem Meter merkte ich schon, dass das Seil fest hing. Hmm, kein Problem, ich konnte ja den Knoten durch Zug am anderen Seilstrang wieder lockern. Das lief auch ganz gut, jedoch war logischerweise irgendwann der andere Seilstrang zu weit oben, um daran ziehen zu können. Glücklicherweise kam das Seil aber reibungslos runter. Uns fiel ein riesiger Stein vom Herzen aber auch bereits die ersten Regentropfen vom Himmel.

Eigentlich müsste jetzt ja alles schnell gehen. Sind ja nur noch 3 mal senkrecht abseilen… Die nächste Seillänge ging auch problemlos obwohl es nun im Stand schon windiger war und es schon anfing zu donnern. Die Gefahr vom Blitz getroffen zu werden, blendete ich irgendwie aus… wahrscheinlich wegen dem nun einsetzenden Sturm und Hagel.

Am vorletzten Stand presste uns der Sturm gehörig gegen die Wand und den Hagel ins Gesicht. Halb so wild, ist ja nur noch einmal abseilen. Leider trieb der Sturm unser Seil fast waagerecht die gesamte Wand entlang und wickelte es auch mehrmals komplett über einen recht großen Busch. Ich zog und zerrte, bekam das Seil aber nicht frei. Rüberschwingen ging auch nicht so einfach, da ich schon zu weit abgeseilt hatte und der Wind komischerweise nun aus der anderen Richtung zu kommen schien…
Blick vom Gipfel


Zum Glück sah ich knapp über mir den Stand der ersten Seillänge den man sich beim Abseilen eigentlich sparen konnte (da beide Seillängen zusammen nicht mehr als 50 Meter lang sind). Also schnell die drei Meter rauf geklettert, was sich bei der nassen Wand als etwas sch m/w ierig herausstellte. Also noch mal Zähne zusammenbeißen und dann Stand machen. Während Anja zu mir abseilte konnte ich nun endlich ohne ständig umher zu pendeln richtig am Seil ziehen, um es eventuell doch noch vom Busch zu lösen. Obwohl ich nicht dachte, dass es was nützt und ich deshalb schon zu Anja hoch rief, sie solle versuchen zum Busch zu pendeln, riss ich mit aller Kraft am Seil. Und siehe da: nach etlichen Versuchen machte es krach und ich zog einen meterlangen und ziemlich dicken Ast zu mir her. Nun war das Seil wieder frei … vorerst.


Der Tag nach dem Sturm
Als Anja bei mir am Stand ankam hatte sie in anbetracht der immer näher kommenden Blitze die Idee, die letzten 20 Meter zusammen abzuseilen. Also verband sie uns mit einer Bandschlinge und wir seilten gemeinsam ab.1 (Siehe Kapitel 7.2.) Leider wieder nur kurz weil wieder ein Busch das Seil wie magnetisch anzog. Wir pendelten also rüber und während ich das Seil blockierte, konnte Anja es vom Busch entwirren. Das hat dann aber unweigerlich dazu geführt, dass wir im Sturm durch die halbe Wand pendelten. Was fürn Spaß :) und auch wenig problematisch, da das Seil über keinerlei Kanten führte (Hängestand).


2 Meter vorm Boden war dann noch ein kleiner Dornenbusch im Seil womit wir dann wohl jeweils ein Exemplar der Wandflora im Seil hatten. Da mir der Pendler aber so was von Spaß gemacht hatte, war mir das dann auch langsam egal. Unten angekommen waren wir wohl beide sehr erleichtert, aber auch um unsere Freunde besorgt, die an diesem Tag die Albahida machten. Zu diesem Zeitpunkt waren sie aber bereits aus der Route raus, was wir wenig später am Handy erfuhren. Wir packten alle Sachen und machten uns durchnässt und verfroren durch das schwächer werdende Gewitter auf den langen Weg zum Auto. Die Route ist auf jeden Fall zu empfehlen, da sie wunderschöne Kletterei bietet und zudem top abgesichert ist. Ich bin sehr froh, dass Anja in der Tour mein Kletterpartner war, da wir uns in allen Situationen super ergänzt haben.

Kleiner Tipp noch: Schuhe möglichst nicht so hinstellen, dass das gesamte Regenwasser über die Einstiegsplatten hineinlaufen kann. :)
Princesa Original
Fakten zur Tour:
Länge:
Ca. 180 Meter
 
Material:
mind. 10 Expressen
Komplett eingebohrt
50 Meter Halbseile.
 
Schwierigkeiten:
Seillänge Franz. UIAA
1
6a
7-
2
6c
7+
3
5
6-
4
6a
7-
5
5
6-
David sagt:
2008-11-30 20:52:06
Hallo Manfred,

in Sa Gubia ist es etwas schlecht mit Zelten, besonders mit Wohnmobil. Es gibt keine richtige Straße dorthin sondern nur einen Pfad durch ein ausgetrocknetes Bachbett. Vom Parkplatz läuft man zirka 45 Minuten. Ob Campen in Sa Gubia geduldet wird, kann ich dir auch nicht sagen jedoch ist man dort ziemlich ab vom Schuß...

Viele Grüße
David

Manfred Pick says:
2008-11-30 14:11:44
Hallo,
mein Sohn 24 Jahre ist begeisterter Kletterer. Gibt es bei Sa Gubia auch Stellplätze für Wohnmobile, Sandstrand wäre nicht so wichtig. Hauptsache einigermaßen ebener Standplatz.
Viele Grüße
Manfred Pick

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